Es ist in etwa ein Jahr her, dass für mich und viele andere in meinem Alter der Endspurt Richtung Schulabschluss begann. Corona war mir zwar längst ein Begriff war, ich hätte jedoch nie für möglich gehalten, dass es unsere Gesellschaft in den folgenden Monaten vor eine der größten Herausforderungen stellen würde, die ich selbst bis jetzt erlebt habe.

Vorfreude aufs FÖJ und neue Begegnungen

Für mich zählte im Frühjahr 2020 vor allem das Hochgefühl, mein Abitur in der Tasche zu haben sowie die Vorfreude auf mein FÖJ und die damit verbundenen neuen Bekanntschaften und Erlebnisse. Meine Freunde berichteten mir besonders begeistert von ihrem Freiwilligendienst, von den Seminaren, auf denen sie regelmäßig ihre Mitfreiwilligen treffen, sich über ihre Erfahrungen austauschen und unzählige kleine und große Abenteuer erleben konnten. „Zusammenhalt“, „Miteinander“ und „Freundschaft“ – diese Worte fielen besonders häufig und stimmten mich bereits vor Beginn des FÖJs auf die gemeinsame Zeit ein.

Corona und die Onlinebildung

Leider wurde die Hoffnung auf das lang ersehnte und ausgelassene Miteinander schnell getrübt, denn bereits bei unserem ersten Seminar im Herbst 2020 war der Coronavirus ein unumgängliches Dauerthema, das viele von uns ebenso bedrückte wie frustrierte. Keineswegs aber hätten wir damals gedacht, dass uns die schwierigste Herausforderung noch bevorstand: Nicht nur im Alltag und auf der Arbeit in unseren Einsatzstellen hinterließen Coronaregeln ihre Spuren, sondern auch bei den weiteren Seminarwochen, die seitdem ausschließlich online stattfinden mussten. Alles nur eine Frage der Gewohnheit? Ist es nicht sogar viel bequemer? Einfach von zuhause aus an Workshops teilzunehmen? Und spannend ist eine solche neue Erfahrung doch auf jeden Fall, oder?

Wie wir alle ‚Onlinemüde‘ wurden

Zu Anfang löste ein FÖJ-Onlineseminar tatsächlich noch allgemeine Aufregung in unserer Gruppe aus – schließlich kannte niemand die Situation, eine Woche lang gemeinsam zu verbringen, ohne eine einzige persönliche Begegnung. Auch gestalteten unsere Teamer Anne und Jannis die Bildschirmzeiten durch viele kleine Spiele, Anregungen und kreative Ideen so abwechslungsreich wie nur möglich. Der ZOOMmüdigkeit konnte jedoch auch ein spannendes Programm nicht genug vorbeugen und nachdem wir alle über den Winter unsere Schwierigkeiten mit der Isolation im Alltag und der fehlenden Nähe zu unseren Liebsten hatten, sehnten wir uns umso mehr nach einem Seminar, das endlich wieder in Person durchgeführt würde. Leider wurde dieser Traum auch bei unserem letzten (und vierten) Seminar keine Wirklichkeit – stattdessen erwartete uns erneut eine Woche, in der wir uns innerlich schon auf eingeschlafene Beine vom vielen Sitzen, viereckige Augen vom Bildschirmgucken und viel Spaß mit der Technik vorbereiteten … Euphorie und Vorfreude hielten sich da leider etwas in Grenzen.

Wandern, Workshops + Überraschungen heben die Stimmung

Manchmal kann einen das Leben aber auch in schweren Zeiten überraschen – und so war dieses Onlineseminar wider Erwarten eine der schönsten und interessantesten Wochen meines gesamten FÖJs: Statt vor dem Bildschirm einzuschlafen, starteten wir schon beim gemeinsamen Morgensport munter in den Tag. Statt den Abend nur in Gesellschaft unserer Seriencharaktere zu verbringen, kugelten wir uns bei Spielen wie Gartic Phone vor Lachen auf dem Boden. Statt die ganze Woche nur drinnen zu hocken, genossen wir bei Workshops und Wandern die Natur in vollen Zügen. Um diese besondere Zeit in Erinnerung zu behalten, folgt nun ein Wochenbericht voller persönlicher Eindrücke und lustigen Anekdoten, der die Stimmung unseres Onlineseminars einfängt und vor allem Mut macht: Trotz aller Einschränkungen können wir uns nah sein, Geschichten teilen und uns umso mehr freuen auf alle Begegnungen, die wir doppelt nachholen werden.

03.05. Montag – Seminarbeginn: Von Tücken der Technik und spätabendlichen Lachkrämpfen

Nach den gemütlichen Murmelrunden folgte ein langer Halbmarathon für die Woche, voller wichtiger organisatorischer Etappen und mit feinen Fallenstricken gefüllt. Und wenn auch unsere Geduld aufgrund der Technik recht stark strapaziert wurde, wurde der Plan allen erfolgreich vermittelt. Manche machten sich den Spaß und schrieben während der kleinen Pause mit anderen und wiesen darauf hin, dass man trotz des Mittagstiefes lieber einen Keks statt den Bildschirm mit ihren vor Müdigkeit weit geöffneten Mündern verschlingen sollten. Trotzdem war es sehr schön, viele mal wieder zu sehen und zu sprechen, denn trotz unserer großen Distanzen und losem Kontakt konnte man noch jeden Namen auf Anhieb der richtigen Person zuordnen. Das ist auch wichtig, weil es eine Überraschungschallenge von Linus gab, wo wir im Laufe der Woche eine lieb geschriebene Postkarte an eine uns zufällig zugeordnete Person schicken sollen. Nach einer längeren Nachmittagspause, in der unsere steifen Gelenke gelockert wurden, tummelten wir uns zum gemeinsamen Spieleabend wieder vor den Rechnern und ließen uns von der Orga-Gruppe verschiedene Onlinespiele vorstellen. Insgesamt wurden wir mit einem amüsanten Spieleabend von Among Us bis Gartic Phone auf Discord belohnt. Nach 2h mit sehr viel Gelächter und Spaß haben sich dann die meisten mit leicht verkrampften Gesichtsmuskeln und vom Gekicher erwärmten Zwerchfelle ausgeklinkt und in ihre Betten verkrümelt.

04.05. Dienstag: Workshops nach Wahl und viel frische Luft

Am Dienstag gab es nach einer kleinen, exquisiten Sportrunde eine kurze Einweisung in den Tag und wir verteilten uns über die verschiedenen Links in unterschiedliche und zugleich spannende Workshops. Z. B. stellte uns der Künstler Wolf Hamm vor die Herausforderung, mithilfe der Inspiration durch Naturmaterialen, die wir sammeln und fotografieren sollten, künstlerisch mit den Bleistiften kreativ zu werden. Alle sind sehr produktiv gewesen und genossen die entspannte Zeit, im Grünen und über dem Zeichenpapier. Auch der Naturfotografie-Workshop lockte uns vor die Haustür und lud dazu ein, die Welt der Pflanzen und Tiere in einem anderen Licht zu betrachten. Plötzlich fiel uns durch die Kamera auf, welche Vielfalt an Strukturen, Formen und Farben sich selbst im kleinen Park um die Ecke finden ließ. Im Wildkräuter-Workshop wurde bereits früh an der frischen Luft nach essbarem Grün Ausschau gehalten, mit dem dann später leckere Gerichte gezaubert werden konnten. Der vierte Workshop gab spannende Einblicke rund um die Themen Jagd und Forst. Nach der Auswertung trudelten wir wieder in die gemeinsamen Abendrunde und tauschten uns aus, was wir alles Neues erfahren haben. Mit einer bündigen Einweisung für die anstehenden Wanderungen, wurden wir in den Abend verabschiedet.

05.05. Mittwoch: Die Natur ruft!

So vielfältig wie unsere Startpunkte waren, so unterschiedlich waren auch unsere Erlebnisse an unserem großen, dezentralen Wandertag. Doch in etwas glichen sich alle: sie waren wunderschön und in Sachsen. Manche verschlug es ins Elbsandsteingebirge, andere führte es nur ein wenig vor die Haustür. Doch alle konnten sich an unterhaltsamer Begleitung und Picknicks erfreuen. Trotz der manchmal recht großen Touren verirrte sich niemand. Doch es schafften fast alle rechtzeitig, ihre Bilder hochzuladen und sich in der Abendrunde auf Zoom einzufinden. Einige der gestellten Challenges wurden bewältigt und wir konnten dann alle recht lebhafte Berichte abliefern, welche mit viel Gekicher unterstützt wurden. Wer wollte, konnte sich auch an diesem Abend wieder auf Discord wiederfinden und weitere Spiele mit den anderen testen.

06.05. Donnerstag: Wir sind sportlich, nachhaltig – und ein bisschen knülle 😉

Auch am vorletzten Tag unseres Seminars fanden wir zusammen und haben uns nach einer kleinen gemeinsamen Sportrunde in verschiedene Workshops verteilt. Manche schwitzten sich mit einem mehrstündigen Workout die Müdigkeit und Steifheit vom vielen Sitzen aus. Ein anderer Teil wurde mit einigen Hinweisen von Anne in die Natur auf einen Meditationsrunde geschickt, um uns mit uns und der Natur auseinanderzusetzen. Nach der kurzen Mittagspause wechselten wir und nun konnte der andere Teil der Gruppe die Ruhe der Meditation auf sich wirken lassen. Clara und Scarlett boten währenddessen einen anschaulichen und sehr informativen Workshop über ZERO WASTE (Müllvermeidung und -weiterverwendung), welcher auch einen kreativen Bastelteil enthielt, in dem man selbst aktiv werden konnte. Die Abendrunde hielt sich dafür heute recht kurz, da viele von uns sowohl körperlich als auch geistig erschöpft waren, doch nach einer längeren Pause fanden sich doch viele Spielbegeistere auf Discord an.

07.05. Freitag: Wir geben die Hoffnung nicht auf

Nun brach der letzte Tag des Seminares an und unser Tag war voller organisatorische Stufen, die es zu erklimmen galt. Aber wir schafften auch dies. Nach den ersten Auswertungspunkten und dem Austausch über unsere Jahresprojekte, erwartete uns keine Pause, sondern wir starteten sofort in die nächste Runde. Hier erwartete uns eine Masterstudentin (und ehemalige FÖJlerin), welche um Hilfe für ihre Arbeit bat, in dem sie auch ihre Arbeit bei den 6days4future-Camps warb und um unsere Hilfe bei Meinungsumfrage bat, welche ihr natürlich sofort geleistet wurde. In der minimalen Mittagspause schmierte man sich flott ein Brot und eilte kauend zum Rechner zurück.

Der Tag endete wie allen vorherigen Abschlussrunden der vergangen Onlineseminare, indem man Erkenntnisse über die vergangene Woche aufschrieb und den Oscar der Woche an die Person mit der besten Onlineperformance verliehen wurde. Doch vor allem unsere gemeinsamen Wünsche für das kommende Seminar ließen uns, trotz der großen Distanzen, näher zusammenrücken. Denn die Hoffnung auf ein analoges Seminar, auch wenn es unter den schärfsten Hygienemaßnahmen stattfinden sollte, wurde gesät und wird uns dann auch in unseren Einsatzstellen begleiten und träumen lassen.

Text: Anonym
Fotos: PARITÄTISCHE Freiwilligendienste Sachsen gGmbH (FÖJ)

Online mal anders: Wie wir uns und der Natur auch beim Onlineseminar nahe sind

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.