Meine Geschwister haben alle studiert und auch nach meinem Abitur stand eigentlich fest, ich würde jetzt studieren gehen. Und obwohl ich erst 17 Jahre alt war, war dieser Gedanke auch bei mir recht fest geankert. Meine Eltern haben mir damals die Möglichkeit eines FSJ eröffnet und anfangs sträubte ich mich doch recht doll dagegen. Mir war nicht klar, warum ich ein Jahr arbeiten gehen sollte. Ganz im Allgemeinen fand ich die Idee eines Freiwilligendienstes nicht sonderlich begeisternd, ich wollte entweder reisen oder studieren und da Corona dazwischenkam, wäre nur letzteres möglich gewesen.

Dennoch habe ich mich dann mehr informiert und gesehen, dass es auch in Bereichen, die mich interessieren, einige Angebote eines Freiwilligen Jahres gab.

Jedenfalls bin ich froh darüber, mich einmal ein wenig von meinen Eltern beeinflusst lassen zu haben, denn ansonsten würde ich wahrscheinlich aktuell einen ganz anderen Weg gehen, als den ich nun eingeschlagen habe und werde.

Bevor ich meinen Dienst begann, wollte ich Kommunikationsdesign studieren. Ich habe schon mein ganzes Leben lang gerne gemalt und gezeichnet und besuchte in meiner Heimatstadt auch eine Kunstschule in meiner Freizeit. Kurzum konnte ich mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen.

Doch schon nach kurzer Zeit im Theater habe ich gemerkt, was das eigentlich bedeuten würde. Ich wäre auf einen Berufszweig, die Öffentlichkeitsarbeit, festgenagelt. Ich würde nicht sonderlich gut verdienen und auch einen Job zu ergattern, gestaltet sich in dieser Branche recht schwer. Und auch wenn ich die Kunst liebte, hängte ich diese Vorstellung an den Nagel. Ich merkte einfach, dass es doch nicht das war, was ich eigentlich möchte in meinem Leben. Mir fiel es anfangs unglaublich schwer, diese Entscheidung zu akzeptieren, schließlich hatte ich jahrelang von einer „Karriere“ in der Kunst geträumt.

Und so stand ich schließlich da: in einem Freiwilligendienst aber ohne Plan, was ich in meinem Leben will und welche Wege ich gehen möchte. Im Endeffekt muss man das auch nicht immer zwingend wissen, aber ich selber habe mir einfach Druck gemacht, diesen Zukunftsplan so schnell wie möglich zu entwerfen. Mir stellte sich nur eine große Frage: Wie?

Und da brachte mich tatsächlich meine Kollegin auf den richtigen Weg. Sie meinte, ich solle mir einfach in meinem Notizbuch eine kleine Liste erstellen. Erst von meinen Interessen, dann von möglichen Studiengängen von denen ich hörte oder las. Das half mir unglaublich weiter. Ich schrieb einige Interessen nieder. Was mich natürlich nicht verwunderte war, dass Theater und Kunst sehr weit oben standen. Aber diese beiden Sachen schloss ich recht schnell aus. Und über einige Wochen hinweg ergänzte ich die Liste. Zwei Punkte sind dabei besonders interessant: Organisation und Management.

Beides liegt mir wirklich gut, was ich nicht nur selber bemerkte, sondern mir auch immer wieder von außen wiedergegeben wurde.

Schlussendlich fing ich dann an nach Studiengängen zu schauen, die damit zu tun hatten. Da ich mein Abi in der Tasche hatte, wollte ich so oder so studieren gehen. Ich schaute in ganz Deutschland an Unis und Hochschulen. Auch dabei ist einiges zu beachten. Für mich sollte es eine geeignete Stadt mit einer staatlichen Hochschule oder Universität sein.

Ich wollte nicht in Dresden bleiben, sondern weiterziehen. Städte wie Berlin, Hamburg, München und Rostock schloss ich aus diversen Gründen aus. Aber auch bei anderen Städten gestaltete es sich eher schwierig. Meine Studienstadt sollte weder zu klein noch zu groß sein. Und auch bekannte Studienstädte wie Nürnberg, Heidelberg oder Magdeburg kamen für mich nicht in Frage. Auch das Ruhrgebiet fiel komplett weg. Da wurde die Suche langsam schwieriger.

Dennoch gab ich nicht auf. Und nach langer Recherche und einiger Verzweiflung fand ich ein paar Studiengänge und Städte, die mir zusagten. Ich las mir auf vielen Seiten Beschreibungen über Studiengänge wie „International Business Studies“, „BWL“ und „Management“ durch.

Schlussendlich habe ich mich nach langem überlegen und vielen Gesprächen für einen Studiengang entschieden. Ich war tatsächlich sehr überrascht von mir selber, dass sich meine Interessen auch Richtung Wirtschaft gebildet haben. Ein großer Teil dieser Entscheidung war auch abhängig von meiner eigenen Vorstellung, was ich später machen möchte und wie ich leben will. Ich habe mir klare Ziele gesetzt und einige neue Träume entwickelt. Das half mir bei meiner Entscheidung, wie mein Weg nach dem FSJ aussehen soll.

Kurzum kann denke ich jeder nachvollziehen, wie schwer es sein kann, sich für eine Richtung entscheiden zu müssen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass man sich selbst keinen Druck machen sollte. Schließlich kann man nie wissen, was das eigene Leben für einen bereit hält und auf welche Wege man schlussendlich gerät.

Ohne meinen Freiwilligendienst hätte ich wahrscheinlich nie einen wirtschaftlichen Studiengang auch nur in Erwägung gezogen.

Und nun habe ich meine Zulassungsprüfung bereits abgelegt und stehe kurz vor meiner Bewerbung für den auserwählten Studiengang. Manchmal kommt eben doch alles anders als erwartet!

– Heidi Meyenberg (FSJ – Staatsschauspiel Dresden, Abteilung Theaterpädagogik)

Wie geht es nach dem FSJ weiter?
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