Ich absolviere mein FSJ im Krankenhaus Bischofswerda (IB Freiwilligendienste Sachsen Ost) auf der Station für Unfallchirurgie und Orthopädie (Station 35). Hier gibt es derzeit nur Schwestern und keine männlichen Pflegekräfte wie auf anderen Stationen. Man wird sehr schnell in das Team integriert und in Gespräche eingebunden, wenn man sich offen und freundlich zeigt. Ich verstehe mich mit allen wirklich gut und es geht hier sehr freundschaftlich zu, sodass im Dienstzimmer viel gelacht wird. Auch das Verhältnis zwischen den Schwestern und Ärzten ist ziemlich entspannt. Die Belegschaft organisiert außerhalb des Dienstes viele Unternehmungen wie Wanderungen und Weihnachtsfeiern, was das Team zusammenwachsen lässt. Meine Tätigkeiten hier sind u.a. Vitalzeichenkontrolle und -protokollierung, Reinigungstätigkeiten, Patienten begleiten, Patienten bei Körperpflege und Nahrungsaufnahme unterstützen, … Mit der Zeit gewinnt man immer mehr Vertrauen und man bekommt auch mehr Aufgaben aufgetragen. In den ersten Tagen muss man sich natürlich viele Dinge erklären lassen, aber nach kurzer Zeit sind dieAbläufe auf Station geläufig und man sieht dieArbeit von selbst. Auch die Schwestern merken, dass man immer selbstständiger wird. Das wurde mir z.B. schon oft durch das Loben meiner Arbeit gezeigt oder durch Bemerkungen wie „Ihr FSJler seid Gold wert“. Ich merke einfach, dass ich das Personal sehr entlaste, auch wenn nur durch Hilfsarbeiten wie Lieferungen einsortieren, Kaffee kochen oder Blutabnahmen ins Labor bringen. Häufig wird man gefragt „Wann hast du denn wieder Dienst?“ oder du kommst zum Schichtbeginn durch die Stationstür und hörst „Schön, dass du wieder da bist“.

Wer sich aber noch mehr freut, wenn du wieder da bist, sind die Patienten. Auf meiner Station hat man größtenteils mit Hüft-, Knie- und Schulter-Operationen bzw. allen möglichen Knochenbrüchen und Sehnenrissen zu tun. Ob ältere Menschen, die sich bei einem Sturz verletzt haben, oder jüngere Erwachsene bzw. Jugendliche mit Zustand nach Sport- oder Verkehrsunfällen: Jeder Patient möchte gut gepflegt und behandelt werden. Dabei ist es auch wichtig, dass er sich während des KH-Aufenthalts wohlfühlt und den Mut nicht verliert. Oft sind die Pflegekräfte im Stress und können dadurch nicht so viel Zeit aufbringen, sich in jedem Patientenzimmer lange zu unterhalten. Und genau dort ist es wieder wichtig, dass es uns FSJler sowie andere Schüler gibt. Wir haben zwar ebenfalls oft alle Hände voll zu tun, finden aber auch häufig mal die Zeit, etwas länger neben dem Patientenbett stehen zu bleiben und einfach da zusein. Manchmal macht man Späße und lacht zusammen, manchmal interessieren sie sich für deine Zukunftspläne und erzählen dann von sich oder ihren Enkelkindern, manchmal musst du ihnen die Angst nehmen und neue Hoffnung geben, und manchmal solltest du einfach nur ein offenes Ohr für sie haben. Du begleitest viele verschiedene Menschen durch einen kleinen Lebensabschnitt, der für sie nicht unbedingt der schönste ist. Deshalb kann ab und zu auch jemand abweisend, sehr in sich gekehrt oder pampig sein. Aber die allermeisten wissen es zu schätzen, dass du versucht hast, für sie das Beste aus ihrer
Situation zu machen. Und oft merkt man, wie dankbar sie dafür sind. Das ist für mich das Schönste an der ganzen Sache. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden und helfen zu können, motiviert mich jeden Tag weiter zu machen. Außerdem sammelt man wahnsinnig viele Erfahrungen, die einem später nur helfen können.

In diesem Sinne: Macht ein FSJ 🙂

Text: Anonym, Foto: Pixabay

FSJ in der Unfallchirurgie und Orthopädie – ein Einsatzstellenbericht

2 thoughts on “FSJ in der Unfallchirurgie und Orthopädie – ein Einsatzstellenbericht

  • 19. Juli 2021 bei 12:07
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    Mein Sohn möchte Chirurg werden. Gut zu wissen, dass man auch FSJ machen kann, um den Beruf näher kennen zulernen. Vielleicht findet mein Sohn eine Praxis, bei der er auch ein FSJ machen kann.

    Antwort
  • 15. August 2021 bei 18:20
    Permalink

    Ich möchte in der Unfallchirurgie ein FSJ machen. Ich möchte besonders eine gute Hilfe in dieser Zeit sein. Gut zu wissen, dass man in diesem Bereich das Personal gut entlasten kann.

    Antwort

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