Insektenhotel

Hey, mein Name ist Alina und ich bin 18 Jahre alt. Ursprünglich komme ich aus Hamburg, doch nach dem Abi habe ich mich entschieden, die Großstadt zu verlassen und in ein kleines Dorf nach Tschechien zu gehen. Der Entschluss war ziemlich spontan und ein großer Schritt. Ich war noch nie zuvor für eine so lange Zeit von meinem Umfeld getrennt, in Tschechien war ich vor diesem IJFD noch nie und die Sprache konnte ich auch nicht.

Ich arbeite in einem Freilichtmuseum, auch Skanzen genannt. Dort dreht sich alles um nachhaltige Landwirtschaft, Landschaftspflege und um die freie demokratische Schule RONJA. Mein Aufgabenbereich ist super vielfältig. Ich darf mir aussuchen, wobei ich helfen möchte und bekomme dadurch die Möglichkeit, viele mir unbekannte Tätigkeiten zu erlernen. Die Menschen, mit den ich tagtäglich zusammenarbeite, leben auch auf dem Hof, dadurch herrscht immer eine sehr familiäre Stimmung.

Wohnen in einer Gastfamilie bereichert mich ungemein
Ich wohne hier in einer Gastfamilie. Das war einer meiner Wünsche, wenn ich schon in ein abgelegenes Dorf gehe, dann möchte ich auf keinen Fall alleine wohnen. In dem Haus, in dem ich lebe, ist immer was los, denn es ist ein Zentrum für selbstgesteuertes Lernen. Durch meine Arbeit und meinen Wohnort lerne ich verschiedenste Typen von Menschen kennen und ich muss sagen, es bereichert mich ungemein.

Auf die Seminare habe ich mich immer gefreut, alle mal wiederzusehen, sich auszutauschen und ein bisschen zusammen zu feiern. Es war immer wie ein kleiner Urlaub vom Dorfleben.

Ich kann wirklich sagen, dass ich während meines Auslandsjahrs Freundschaften geschlossen habe, die ich auch nach diesem Abenteuer nicht mehr missen möchte.

Hummelhotel

Trotz Corona arbeite ich weiter in Tschechien
Nach einem halben Jahr in Tschechien kam dann die Corona-Krise. Der Notstand wurde ausgerufen, das ganze Land steht unter Quarantäne und aus zehn Deutschen in Tschechien wurden auf einmal drei (inklusive mir). Anfangs war es wirklich beängstigend, in so einer Situation in einem anderen Land zu sein, so weit weg von meiner Familie. Trotz dessen habe ich für mich die Entscheidung getroffen, hier zu bleiben, allein diese Tatsache sagt glaube ich schon viel über mein Auslandsjahr aus.

Für diese Ausnahmesituation ist meine Einsatzstelle nämlich die Beste von allen, denn die meisten der anderen Freiwilligen machen alle einen Freiwilligendienst in sozialen Einrichtungen, die ja nun geschlossen haben. Nur ich hier in meinem Dörfchen mit meinem ökologischen Job habe noch Arbeit. Eine Freiwillige hat nun aus ihrer Einsatzstelle auch genau deshalb zu meiner gewechselt, um weiterhin Arbeit zu haben und das Jahr nicht unterbrechen zu müssen. Wir drei verbliebenen Freiwilligen stehen das weiterhin tapfer durch und unterstützen uns gegenseitig, wo es nur geht.

Super Betreuung in der Einsatzstelle
Ich fühle mich wirklich wohl hier. Ehrlich gesagt sehe ich mich auch schon als Teil des Teams von Skanzen und kann es mir noch nicht vorstellen, dass ich es bald wieder verlasse. Alle Menschen meiner Einsatzstelle unterstützen und helfen mir, wo es nur geht. Wenn ich krank bin, fahren sie zu mir, um mich mit Essen, Medikamenten und Süßkram zu versorgen und wenn ich einfach mal niedergeschlagen war, waren sie für mich da.
Man muss zugeben, dass es hier manchmal ziemlich chaotisch abläuft und das kannte ich aus meiner Schulzeit auch überhaupt nicht, aber mittlerweile habe ich das glaube ich auch adaptiert.

Wenn jemand was ganz anderes sucht, ist er hier richtig!
Wenn jemand also für kommendes Jahr etwas „out of the box“ sucht, sich versucht selbst besser kennenzulernen, gerne im Team arbeitet, sich in der Natur wohl fühlt und offen gegenüber einem alternativen Lebensstil ist, dann ist er im Skanzen genau richtig. Meine Einsatzstelle bzw. mein Einsatzort ist durch die Lage und die Lebensweise der Menschen etwas Besonderes. Im Grunde genommen ist hier alles komplett gegensätzlich zu Hamburg und ich liebe es. Dass sich mein Horizont so erweitern kann, hätte ich nie gedacht. Ich bin bodenständiger geworden und setzte meinen Blick mehr auf die wichtigen Dinge im Leben. Für diese Erfahrungen und Menschen, die ich kennenlernen durfte, bin ich wirklich dankbar.

Text und Fotos: Alina, Freilichtmuseum Lunaria bei Liberec (PARITÄTISCHE Freiwilligendienste Sachsen gGmbH)

Freiwilligendienst trotz Corona in Tschechien – Alina erzählt von ihrer Arbeit in einem Freilichtmuseum

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