Nicht weit von der A4 und dennoch im idyllischen Grünen lag unsere Unterkunft für das Abschlussseminar des Valtenbergwichtel e.V.

Uni im Bauernhaus nennt sich das gemütliche Gemäuer inmitten des überschaubaren Ortes Goßberg. Schon beim Einquartieren stellte sich die Unterkunft als einer der besonderen Art dar. Die Zwei-Bett-Zimmer hatten Namen berühmter Denker aus aller Zeit und versuchten, die jeweilige Persönlichkeit zu thematisieren. Die im Gemälde festgehaltenen Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter zeigten mir schnell, dass ich im Zimmer Astrid Lindgren untergebracht wurde.

Doch die große Erkundung  der spannenden, teils versteckten Räume und Zimmer, mussten wir auf einen späteren Zeitpunkt legen, da uns ein straffer Zeitplan erwartete.

Unser Motto der Woche lautete „Globalize Me“ und gewährte uns einen kleinen Blick in das komplexe Thema der Globalisierung. Anfangs saßen wir noch gemütlich im wohltemperierten Seminarraum und lernten einiges über das brandaktuelle Thema Flucht, Asyl und Migration und tauschten uns über persönliche Erfahrungen sowie schon erworbenen Kenntnisse aus.

Doch um diese Informationen nicht nur im Kopf, sondern auch mit dem Körper zu verarbeiteten, wurden wir aus heiterem Himmel aufgefordert, in 5 min alle wichtigen Sachen zu packen, da uns eine Flucht bevorstehe. In kleinen „Flüchtlingsgruppen“  aus verschiedenen Ländern flüchteten wir, mit Karte und Wegpunkten ausgestattet, durch das Striegistal, mussten Arbeiten erledigen, um Geld zu verdienen, um an die Grenze zu kommen und ein Mittagsmahl zu erhalten.

Endlich an der Grenze angekommen, empfingen uns dann laut grölende Wutbürger und die französische Grenzkontrolle mit Formularen in Muttersprache, die es galt, formgerecht auszufüllen.

Zum Schluss wurde dann noch selektiert, wer Asyl bekommt und wer abgeschoben wird. Eine wirklich ernüchternde Erfahrung nach dem anstrengenden Tag.

Auch wenn dieses Konzept sicher nicht die Realität darstellt, konnte man einmal mehr verstehen, welche Hürden ein Flüchtling überwinden muss, um in die EU zu gelangen.

Doch nicht nur die Globalisierung stand im Mittelpunkt der Woche. Da wir uns zum letzten Mal in der großen Seminarrunde trafen, galt es auch, das vergangene Jahr zu reflektieren und einen gebürtigen Abschluss zu feiern. Viele Fotos, die während der Seminarzeit entstanden, zahlreiche FÖJ-Projekte in den verschiedensten Einsatzstellen und eine Menge emotionaler Worte, sowie Gedanken und Erinnerungen an das Freiwillige Ökologische Jahr ließen uns mit Freude und ein wenig Wehmut zurückblicken.

Bewaffnet mit farbig leuchtenden Knicklichtern teilten wir uns am Abschlussabend in zwei Gruppen auf und spielten eine abenteuerliche Runde Capture the Flag auf der naheliegenden dunklen Wiese und im angrenzenden Waldstück. Auch wenn es zahlreiche Verluste durch nicht erkennbare Bäume, Sträucher und Zäune gab, verging die Zeit wie im Fluge und wir mussten das Spiel mehr oder weniger abbrechen, da es kein Ende nahm. Zurück ging es barfuß, da die meisten Socken und Schuhe durchnässt waren und am bereits loderndem Lagerfeuer getrocknet werden mussten. Hier angekommen und nachdenklich im Stuhl am Feuer versunken, realisierte man erst wirklich das Ende einer unvergesslichen Zeit, die einem wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.

Hier nochmal ein herzliches Dank für die Ermöglichung der wunderbaren Zeit in den Seminaren durch Tilo, Martha und Paul.

Noch eine kleine Anmerkung zum Seminarort:

Die Uni im Bauernhaus ist ein idealer Ort, um Jugendgruppen unterzubringen.

Es gibt ausreichend Platz, um in der großen Gruppe zusammenzuarbeiten, gegebenenfalls aber auch ungestört verteilt auf dem Gelände in kleinen Gruppen zu agieren. Gerade das ländliche Flair des Bauernhauses und die kreative Gestaltung des Geländes bis ins kleinste Detail entspricht dem ökologischen Sinne vollends und ermöglicht einem eine kreative Schaffungsphasen an der frischen Luft sowie im gemütlichen Gemäuer.

Ist die produktive Phase dann mal vorbei, besteht ein großes Angebot der Freizeitbeschäftigung an diesem Ort. Sei es ein befreiendes und leidenschaftliches Spiel auf dem Volleyballplatz, eine kleine Jam-Runde mit den Instrumenten im Musikzimmer oder eine gesellige und entspannte Runde am Lagerfeuer. Wird einem der Trubel zu viel, kann man seine Seele auch im großen, wilden und zugleich ausgeschmückten Garten baumeln lassen und für einen kurzen Moment den Alltag aus dem Kopf verschwinden lassen. Man merkt gar nicht, dass man sich gleich neben der A4 befindet.

Schaut doch einfach mal selbst auf die Homepage: http://www.uni-im-bauernhaus.de/

 

Tilo, unser Projektleiter des Valtenbergwichtel e.V, kam auf die coole Idee, diesen Ort für die kommenden Gruppensprecherauftaktseminare in Betracht zu ziehen. Ich glaube, ich brauche keine weiteren Gründe für diese geniale Idee aufzulisten. Vielleicht kann man da ja was machen (:

 

Ein traurig schöner Abschluss im idyllischen Bauernhaus – FÖJ-Seminar des Valtenbergwichtel e.V.

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