In der Woche vom 01. bis 07.07.2018 fand das fünfte und somit letzte Seminar der GRÜNEN LIGA Sachsen FÖJ e.V. statt. Diesmal führte uns der Weg an die Mecklenburgische Seenplatte, genauer gesagt nach Mirow, um paddelnd das Leben indigener Völker nachzuempfinden und ganz nebenbei das Leben am und im Wasser kennenzulernen. Wie könnte man sich schließlich besser damit auseinandersetzen als hautnah und mittendrin?

Martha und Gesine beim Zelt beziehen

Zunächst erfolgte jedoch die Anreise. Aus dem bescheidenen Freiberg bedeutete das immerhin knapp sechs Stunden Zugfahrt, weswegen wir auch schon am Sonntag mit Sack und Pack losmachten. Am Mirower Bahnhof wurden wir dann von Ingo, unserem Betreuer für die Woche, in Empfang genommen. Er nahm uns das Gepäck ab und wir durften den restlichen Weg zur Kanustation zu Fuß zurücklegen. Dort wurden wir von Kerstin, Ingos helfender rechter Hand, verköstigt. Nachdem alle Zelte aufgebaut, das Gepäck verstaut und erste Neuigkeiten untereinander ausgetauscht waren, wurde uns der Plan für die kommenden Tage erklärt. Jeden Tag stand eine mehr oder weniger ausschweifende Paddeltour auf dem Plan, einmal sollte auch mit Zelt und Ausrüstung das Lager gewechselt werden. Darüber hinaus wurde für jeden Tag ein Küchenteam eingeteilt, welches für die Zubereitung des Abendessens sowie den Aufwasch zuständig war. So sollte uns das Leben und Zusammenarbeiten als Gemeinschaft vor Augen geführt werden.

Malerische Abenddämmerung am Mirower See

Der Montag diente zunächst zur Einführung. Ein paar von uns saßen immerhin noch nie in Paddelbooten, und bevor es richtig losgeht, sollte das grundlegende Paddeln funktionieren. Auf zwei Kanadier und 14 Kajaks verteilt, stach die Gruppe also in See. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten und einer kleinen Neuverteilung wurde schnell klar: Paddeln ist gar nicht so schwer! Wir kamen zügig vorwärts und ohne Unfälle zur Mittagspause am gewählten Ort an. Während wir unsere geschmierten Brote aßen, machte uns Ingo mit der regionalen Flora und Fauna vertraut. Nach einer kurzen Abkühlung im See brachen wir wieder nach Mirow auf. Da die Tour nicht sehr lang war, kamen wir bereits am frühen Nachmittag wieder am Campingplatz an und konnten die Zeit bis zum Abendessen ausgiebig zum Baden, Sonnen und Volleyball spielen nutzen. Den Abend ließen wir mit Kartenspielen am Steg ausklingen.

Der Dienstag begann mit Packen, denn heute sollten wir von Mirow aus zu einem anderen Campingplatz wechseln. Man sah in vielen Gesichtern Zweifel, wie wir das gesamte Equipment transportieren sollten. Hier war nämlich Teamgeist gefragt: was allein unmöglich war, konnte in der Gruppe einfach gelöst werden. So wurden in allen Booten neben den eigenen sieben Sachen Lebensmittel, Töpfe und Isomatten verstaut und ehe man sich versah, war alles wasserdicht verpackt und zum Aufbruch bereit.

Die Tour führte uns über den Mirower und Zotzensee zu dem Campingplatz mit dem romantischen Namen C22.  Gemeinsam wurden die Kajaks und Kandier aus dem Wasser gezogen, das Gepäck ausgeladen und das neue Quartier bezogen. Auch hier wurde bei bestem Wetter gebadet, getaucht und geschwommen was das Zeug hielt. Am Abend traf sich die Gruppe dann zum Lagerfeuer, wo Ingo sein Wissen über die Inuit, das indigene Volk Nordamerikas, zum Besten gab und uns mit Anekdoten und mythischen Erzählungen verzauberte. Besonders der Mythos von Sedna, der Mutter der Meerestiere, blieb uns dabei haften, doch dazu später mehr. Zum Schluss zog sich – ganz nach indigener Manier – ein Teil der Gruppe zum Schlafen in das Gruppenzelt zurück, während die anderen ihren Schlafplatz einfach neben dem Lagerfeuer aufschlugen.

In diesem Idyll hielten wir Mittagspause ab

Der Mittwoch stellte dann das Highlight dar: eine 18 km lange Tour durch die mecklenburgische Seenplatte. Nur das Nötigste wurde gepackt und bereits 09:30 Uhr konnte es losgehen. Nach der ersten kleinen Etappe und einer wohlverdienten Eispause kam dann der etwas kniffelige Teil: die Überquerung des Rätzsees. Und obwohl es beinah windstill war, zogen sich die 4 km doch ganz schön hin. Das lag nicht nur an der immergleich scheinenden Aussicht auf das bewaldete Ufer. Vor allem die gnadenlose Sonne und 26°C ließen die meisten von uns gut auf Temperatur kommen. Da kam die Mittagspause auf einer schattigen Lichtung am Drosedower Bach nur gelegen. Frisch gestärkt setzten wir unsere Tour dann in diesem idyllischen Flusslauf fort, an dem man sich wie in eine Märchenlandschaft versetzt vorkam. Nach Durchquerung des Gobenow- und Labussees gelangten wir schließlich zur Diemitzer Schleuse, an der noch einmal Feintuning gefordert war: denn neben uns Kajakfahrern wollten auch größere Boote die Schleuse nutzen. So waren wir die Lückenfüller zwischen den Motorbooten, und ohne Verluste konnte die Schleuse passiert und weitergepaddelt werden. Nach einem letzten Endspurt und einer Wasserschlacht, die es in sich hatte, kamen wir dann auf den letzten Metern mit immerhin nur einem Mann über Bord wieder an C22 an.

Am Abend trafen wir uns wieder am Lagerfeuer, welches jedoch nicht entzündet wurde. Denn auch wenn wir am Tag durchaus nass geworden sind, war es an Land staubtrocken und die Waldbrandgefahr entsprechend hoch. Dieses Mal berichtete Ingo uns vom Leben der Indianer, wie sie wohnten, jagten, und lebten, doch auch, wie sie vertrieben, versklavt und ermordet wurden. Die meisten von uns wussten von der erdrückenden Ungerechtigkeit gegenüber der amerikanischen Urbevölkerung, dennoch öffnete der Vortrag vielen noch einmal die Augen.

Unsere Sedna ­– dargestellt von Emilie – wurde von ihrem Vater aus dem Boot gestoßen, da dieser sein eigenes Leben retten wollte. Aus ihrem abgeschnittenen Fingern entstanden dann Robben, Wale und Haie, so die Inuit

Am Donnerstag stand die Rückfahrt nach Mirow auf dem Plan, was wieder bedeutete: das Lager abbauen, Sachen packen, Gepäck verstauen. Doch schon am vierten Tag hatte sich eine Routine eingestellt, und wir waren in einem Bruchteil der Zeit, die wir am Dienstag benötigt hatten, startklar. Die 6 km nach Mirow waren nun keine Herausforderung mehr, nach der langen Tour des Vortages aber eine willkommene Abwechslung. Entsprechend zeitig kamen wir also wieder am Zeltplatz an. Eine Herausforderung galt es jedoch noch zu meistern: die Vorbereitung der zusammenfassenden Wochenshow, wie jedes Seminar. Dafür griffen wir Ingos Erzählung von Sedna auf und stellten mit vollem Körpereinsatz an und im Wasser die Entstehung der Robben, Wale und Delfine dar. Im Anschluss werteten wir mit unseren Betreuern Anni und Nic das Jahr aus und bekamen auch die Briefe zurück, die wir zu Beginn des FÖJs an uns selbst geschrieben haben. So gedachten wir bei Sonnenuntergang am Ufer sitzend noch einmal der unglaublichen Zeit, die wir in den vergangenen 11 Monaten hatten.

BeimKanupolo wird alles gegeben

Den Freitag verbrachten wir dann auf dem Campingplatz. So konnten wir vormittags unser Talent im Bogenschießen (und Pfeile im Wald suchen) beweisen, und uns am Nachmittag beim Kanupolo austoben. Dass dabei weit mehr als ein Kajak kenterte lag weniger an der geringen Größe der Boote, sondern viel mehr daran, dass alle mit Feuereifer bei der Sache waren und rasant um Ball und Tore gekämpft wurde. Gern hätten wir noch länger gespielt, aber zwei Stunden mussten dann eben doch reichen. Die Abendgestaltung übernahm dieses Mal Kerstin mit einem Vortrag über die Sámi, das indigene Volk Nordeuropas. Auch hier erfuhren wir allerlei Neues, positives, aber auch negatives. Die späteren Abendstunden ließen wir dann zusammen ausklingen, so war es immerhin der letzte offizielle gemeinsame Tag als Gruppe.

Am Samstag traten wir dann die Heimreise an, was für die meisten von uns noch einmal etwa sechs Stunden Zugfahrt bedeutete. Letzte Abschiede wurden gemacht, und auch, wenn etwas Melancholie in der Luft lag, so war das Seminar in Mirow doch ein würdiger Abschluss unserer Zeit als Freiwillige des ökologischen Jahres 2017/18.

Liebe GRÜNE LIGA Sachsen FÖJ e.V. – wir sagen Danke für die tolle Zeit!

 

Sommer, Sonne, Sonnenbrand – das Abschlussseminar der GRÜNEN LIGA Sachsen FÖJ e.V.

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