Bevor ich meinen Arbeitstag beschreibe, erkläre ich erstmal, wer überhaupt zur Dialyse kommt: Zur Dialyse kommen all die Menschen, die eine stark eingeschränkte oder einen kompletten Verlust der Nierenfunktion haben. Das bedeutet, dass Endproduke aus dem Stoffwechsel nicht mehr von den Nieren aus dem Blut gefiltert werden (sie bestimmte Giftstoffe im Körper nicht mehr abbauen können) und sich Wasser, das normalerweise als Urin ausgeschieden wird, im Körper anlagert. Dies würde dazu führen, dass die Funktion vieler Organe stark eingeschränkt werden (sich die Patienten langsam vergiften) oder sich Wasser an (in) der Lunge anlagert, wodurch sie ersticken (ertrinken) könnten. Um dies zu verhindern, kommen die Menschen in die Dialyse, um eine Nierenersatztherapie zu starten. Es gibt insgesamt drei verschiedene Möglichkeiten, aber ich beschränke mich in diesem Beitrag nur auf meinen Arbeitsplatz.

Die sogenannte Hämodialyse oder einfach gesagt die Blutwäsche. Bei diesem Verfahren werden die Patienten an eine Maschine angeschlossen, die die Aufgabe der Nieren übernimmt. Das bedeutet jedoch, dass unsere Patienten regelmäßig zu uns kommen müssen. Bis zu viermal in der Woche kommen sie wieder, auch wenn der Großteil nur dreimal in der Woche kommen muss. Damit das ganze Wasser, das sich in den zwei Tagen angesammelt hat, sowie die Stoffwechselendprodukte (Giftstoffe) aus dem Körper wieder entfernt werden können, dauert eine Dialysebehandlung durchschnittlich (ungefähr drei bis) vier Stunden. Zuletzt ist zu erwähnen, dass wir pro Schicht zwischen 30 und 40 Patienten haben und wir montags, mittwochs und freitags eine zweite Schicht haben.

Das bedeutet, dass unsere Arbeit ein Stoßgeschäft ist. Wir haben viel zu tun, wenn die Patienten kommen und wenn sie gehen, beziehungsweise wenn die nächsten Patienten kommen.
Während der Dialyse überwacht das Fachpersonal die Patienten und die sogenannten Springer bereiten die nächste Schicht vor und versorgen die Patienten. Ich gehöre zu den Springern und beschreibe jetzt einen ungefähren Arbeitstag.

Am Morgen werden die Maschinen aufgebaut und auf Funktionalität getestet. Danach kommen schon unsere Patienten, die zuerst gewogen werden müssen. Das ist wichtig, damit wir wissen, wie viel überschüssiges Wasser sich im Körper des Patienten befindet. Danach werden die Patienten vom Fachpersonal an die Maschine angeschlossen, während die Springer die gerade gemessenen Gewichte notieren und die Differenz zum Normalgewicht errechnen. Gleichzeitig schließen wir die Patienten an die Blutdruckmanschette an. Parallel werden durch das Fachpersonal von einigen Patieten Blutproben entnommen, welche die Springer direkt vor Ort an einem Laborgerät überprüfen. Dabei erhält man Informationen zu den wichtigsten Elektrolyten (Salzen) im Blut. Zudem müssen wir bei ein paar Patienten den Blutzuckerwert bestimmen. Wenn wir das bei allen Patienten gemacht haben, dauert es noch etwas, bis alle Patienten an der Maschine sind, weshalb wir das Frühstück für die Patienten vorbereiten. Unser Dialysezentrum bekommt zu jeder Schicht Brötchen geliefert und wir müssen eigentlich nur die Brötchen verteilen und Kaffee kochen.

Danach wird das Frühstück verteilt. Während die Patienten essen, ist Zeit für einige Nebenaufgaben. Jeden Tag gibt es unterschiedliche Aufgaben und manche müssen täglich erledigt werden. Diese Nebenaufgaben haben keine Priorität und jeder Springer kann sie sich über den Dienst einteilen. Ein Beispiel wäre hierfür:

Temperatur des Kühlschranks ablesen
Osmoseanlage kontrollieren (beides auf Funktion prüfen)
Ersatzmaschinen desinfizieren

Nachdem die Nebenaufgaben erledigt sind, sammle ich das Geschirr der Patienten wieder ein, damit Ordnung herrscht. Danach begebe ich mich ins Lager und bereite die Materialien für die nächste Schicht vor (Blutschlauchsysteme, Filter, Nadeln für jeden Behandlungsplatz). Normalerweise ist danach oder kurz davor die Frühstückspause des Personals.

Wenn ich es schaffe, verteile ich die gerade vorbereiteten Materialien und die Bettwäsche der Patienten an die betreffenden Behandlungsplätze (Sachen hinter die Maschinen), damit es zum Schichtwechsel schneller geht. Unsere Patienten sitzen auf Stühlen oder liegen auf Betten, die mit Bettzeug bezogen werden müssen. Nachdem das geschafft ist, beende ich die restlichen Nebenaufgaben, die länger dauern, wie zum Beispiel die Bettwäsche komplett für 40 Patienten zu wechseln. Dies muss jede Woche in einem anderen Raum erfolgen, damit jeder Patient aus hygienischen Gründen jeden Monat mindestens einmal neue Wäsche bekommt.

Danach werden die ersten Patienten fertig. Das bedeutet für das Fachpersonal, dass sie die Patienten wieder von den Maschinen trennen müssen, und für die Springer, dass sie die Maschinen desinfizieren müssen. Danach werden die Stühle beziehungsweise Betten desinfiziert und neu bezogen. Wenn danach noch Patienten kommen, werden die Maschinen neu aufgebaut und in den Test geschickt. Ansonsten wird das Material auf den Patiententisch gelegt und für den nächsten Tag vorbereitet.

Wie schon erwähnt, sind wir ein Stoßgeschäft. Wir haben viel zu tun, wenn die Patienten kommen und wenn sie wieder gehen. Nachdem alle Patienten gegangen sind, kümmern wir uns um den Müll und bereiten den Rest für den nächsten Dienst vor. Dann ist so langsam Feierabend. Falls danach noch Patienten kommen, helfen wir noch etwas dem nächsten Dienst, bis wir endgültig Feierabend haben.

Kurzgefasst würde ich meine Arbeit ungefähr so beschreiben:

Viel Praktikantenarbeit, die durch die vielen unterschiedlichen Aufgaben nicht so schnell langweilig wird und den Tag schnell vorbeiziehen lässt. Gepaart mit ein paar Aufgaben aus dem medizinischen Bereich, in die man (eigentlich niemals) als Praktikant extra eingewiesen werden muß (machen dürfte), und der Möglichkeit, sich selbstständig Arbeit zu suchen, macht das Arbeiten in der Dialyse Spaß. Man kann außerdem viel lernen, zum Beispiel den Umgang mit Patienten und dem Personal oder etwas über das Krankheitsbild erfahren, wenn man sich dafür interessiert. Außerdem lernt man, selbstständig zu arbeiten und mit Stresssituationen umzugehen.

Text und Fotos: Julian Odrich (DRK LV Sachsen e.V.)

Ein Tag in der Dialyse

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