Als ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschied, entschied ich mich für ein Jahr voll mit Präsenzseminaren und Festen in der Einrichtung, jedoch kam dann alles anders, als ich erwartet habe. Ich begann also ein FSJ in Zeiten der Corona-Pandemie.

Hallo ich bin Fine, ich bin 18 Jahre und mache mein FSJ in einer kirchlichen Kindertagesstätte.

Als ich mich bewarb, war es Februar. Ich wusste, dass Corona ausgebrochen sei, aber nicht, dass es uns in den laufenden Monaten und auch noch im darauffolgenden Jahr, so sehr einschränken wird. Ich bin durch eine Freundin auf die Idee gekommen, mich für ein FSJ zu bewerben. Sei sagte, es sei eine schöne Möglichkeit zu arbeiten, neue Menschen kennen zu lernen und sich weiterzubilden. Sie erzählte mir von den Seminaren, welche in Präsenz stattfanden, vom Begrüßungsgottesdienst, von der großen Anzahl an Freiwilligen, welche man auf der ersten Kennenlernfahrt begegnete und von der praktischen Umsetzung einiger Seminarthemen. Ich hatte also eine genaue Vorstellung davon, was mich erwarten wird, bzw. könnte.

Dann brach Corona auch in Deutschland aus. Und alles veränderte sich von einem auf den anderen Tag. Es begann alles mit dem ersten Lockdown, welcher uns in den Online-Unterricht versetze. So langsam bangte ich um mein FSJ. Ich überlegte mir, ob ich es wirklich antreten könnte, oder ob es starke Einschränkungen geben würde. Letztendlich blieb mir und auch vielen anderen nur die Hoffnung auf Linderung der Situation. Nach meinem Bewerbungsgespräch, welches telefonisch stattfand, konnte ich dann endlich aufatmen. Ich war angenommen und nun war die einzige Herausforderung noch ein zweitägiges Probearbeiten. Dieses musste ich, weil ich nur zu Besuch war, mit Mundschutz absolvieren. Es war wirklich ungewohnt, den ganzen Tag mit wildfremden Kindern zu verbringen und dann auch noch einen Mund-Nasen-Schutz auf zu haben. Dennoch waren es zwei sehr schöne Tage, nach denen ich wusste, ja diese Einrichtung ist es. Auch die Einrichtung und das Team waren überzeugt von mir. So konnte ich also trotz Corona mein FSJ mehr oder weniger geplant antreten.

Nach langer Zeit des Durchhaltens begann am 01. September 2020 mein FSJ im Kinderhaus „Gabenreich“. Mein erster Tag war trotz Corona ziemlich normal. Zunächst hatte ich ein Gespräch mit der Leiterin, der Einrichtung, in dem sie mir alles erklärte und zeigte. Sie führte mich durch alle Gruppenräume und zeigte mir die Gruppen, in denen ich zukünftig arbeiten sollte. Das pädagogische und hauswirtschaftliche Personal stellte sich mir im Laufe des Tages vor. Also ein ziemlich normaler Tag. Die einzige Einschränkung, die es gab, war dass die Eltern einen Mund-Nasen-Schutz tragen mussten. Ich war auch weiter guter Dinge, als schließlich unser erstes Seminar stattfand. Da durch Corona kein großer Begrüßungsgottesdienst oder die Kennenlernfahrt stattfanden, gab es für jede Seminargruppe einzeln einen Kennenlerntag. Wir trafen uns alle im Jugendpfarramt. Dort lernte ich zum ersten Mal meine Seminargruppe kennen. Wir waren circa 22 Freiwillige und haben uns den ganzen Tag dem Kennenlernen gewidmet.

Ich kam also in einen großen Raum, in dem Stühle in einem großen Kreis standen. Von Stuhl zu Stuhl war immer ein großer Abstand und auf jedem Platz stand ein Name. Ich war die erste, die da war, und suchte nach meinem Namen. Als ich ihn schließlich fand und mich setze, schaute ich mich um. So viele Freiwillige und wir sind nur eine Gruppe und nur ein Träger von vielen. Wir haben alle dasselbe im Sinn, ein freiwilliges Jahr zu machen und das trotz Corona. Und das war etwas, was mich bestärkte. Wir hatten alle eines gemeinsam, ohne dass wir einander kannten. Und das war der Punkt, an dem ich dachte: Das wird ein tolles Jahr.

Nach und nach kamen die anderen Freiwilligen und so konnte der Tag beginnen. Wir hatten einen schönen Tag, in dem wir uns alle etwas kennenlernen konnten. Man hat von jedem einen kleinen Eindruck erhalten. Dennoch war es nicht das gleiche, als wären wir auf eine Kennenlernfahrt gefahren. Nach vielen spannenden und auch witzigen Spielen, einer Menge Pizza und den Kopf voll von neuen Gesichtern und Menschen, fuhr ich dann also wieder nach Hause. Die Einschränkungen des Tages begrenzten sich lediglich auf den Abstand und das Tragen einer Maske, wenn man den Abstand nicht einhalten konnte. Also ziemlich entspannt und darüber war ich im Nachhinein auch sehr froh.

Es vergingen ein paar Wochen, in denen ich ganz normal jeden Tag auf Arbeit ging und so langsam wieder etwas Normalität einkehrte. Die nächste große Hürde war also unser erstes Präsenzseminar. Wir erhielten eine Einladung und so war uns immerhin schon bewusst, wohin es gehen wird. Aber so richtig bewusst, was alles passieren wird, war es trotzdem keinem. Ich packte also meine Sachen und es ging los. In den 1 ½ Stunden, des Fahrens, kam in mir die Aufregung hervor. Ich machte mir Gedanken darüber, ob es auch so entspannt laufen wird, oder eher nicht. Wir kamen an und ich sah endlich bekannte Gesichter und die Anspannung fiel mit einem Mal von mir ab.

So nach und nach trafen auch die anderen ein und wir konnten unsere Zimmer beziehen. Doch die große Frage war: Warum sind wir nur so wenige? Nun ja, dass lag an Corona. Unsere Seminargruppe war zu groß und das Haus zu klein. Deswegen musste die Seminargruppe in zwei kleine geteilt werden und jede ist für sich gefahren. Als ich das erfahren habe, war ich zu Beginn etwas traurig, habe mit der Zeit aber dann die Vorteile für mich entdeckt. Schade war zwar das man den anderen Teil nicht kennenlernen konnte, jedoch hatte man in einer kleineren Gruppe eine bessere Möglichkeit sich untereinander besser kennenzulernen.

So standen wir also da. Wir waren eine Gruppe von Menschen, die sich zwar schon einmal gesehen haben, aber auch nicht wirklich kannten. Aber ich kann sagen, dass sich das in den fünf Tagen stark verändert hat.

Unsere Seminarwoche bestand aus vielen Inputeinheiten, aber auch Kreativeinheiten. Die ersten Stunden der Abende verbrachten wir zunächst alle gemeinsam. Später konnten wir uns dann selbst etwas einfallen lassen. Gerade diese Abende, voll mit Gesprächen, Spielen und lustigen Situationen, schweißten uns immer mehr zusammen. Am Ende der Woche stieg dann auch eine Menge Trauer in mir hoch, da uns damals schon klar war, dass das nächste Seminar Online stattfinden wird. Da war ich dann wieder im Auto mit einem Kopf voll von schönen Erinnerungen und den Gedanken an einen „fliegenden Finn“.

Ich war so überrascht, wie schön das alles war, trotz der Corona-Pandemie und trotz, dass eine*r der FSJler*in das Seminar vorzeitig verlassen musste. Am meisten überrascht war ich über die Tatsache, dass ich als normale FSJlerin ins Präsenzseminar hineinging und als zukünftige Gruppensprecherin hinausging.

So also ist schon ein erster großer Teil meines FSJs vorbei und ich denke, dass noch sehr viel Schönes passieren wird.

Text und Foto: Fine (Diakonisches Werk der Evanglisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen e.V.)

Ich war so überrascht, wie schön das alles war …

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