Betriebsschließungen, Distanzunterricht, Corona-Fälle auf Station – die Pandemie hat insbesondere in den letzten Monaten einen großen Einfluss auf unser aller Leben gehabt, und wir Freiwilligendienstleistende waren meist mitten drin. Auch unsere Arbeit war stark betroffen: Notbetreuung statt Schule, Theater ohne Spielbetrieb, steigende Sterbefälle in Pflegeeinrichtungen und neu eröffnete Corona-Stationen im Krankenhaus.

Um zu erfahren, wie  die Pandemie unsere Arbeit veränderte und wo Probleme lagen, haben wir vom 19.01. – 07.02.2021 eine Umfrage unter den FSJler*innern, FÖJler*innen und BFDler*innen durchgeführt, die über WhatsApp verbreitet wurde. Insgesamt erhielten wir 723 Antworten, das entspricht etwa einem Viertel der Freiwilligendienstleistenden in Sachsen (ohne FdaG). Dabei mussten sich die Befragten nicht verifizieren und keine persönlichen Daten wie Geschlecht oder Wohnort angeben. Falsch- und Doppelantworten sind somit nicht gänzlich ausgeschlossen.

Durch die rege Teilnahme Freiwilliger aus einigen Bereichen kommt es außerdem zu einer Repräsentanzverschiebung. So machen die Freiwilligendienstleistenden, die im Bereich Schule & Hort arbeiten, bei unserer Umfrage einen Anteil von ca. 26,7% aus. Der Anteil dieser an der Gesamtheit der Freiwilligen im Freistaat liegt allerdings bei etwa 16,6%.  Somit können die Ergebnisse der Umfrage nur als bedingt repräsentativ angesehen werden. Trotzdem können die Ergebnisse wichtige Tendenzen und auch Probleme aufzeigen und so die Frage, wie sich die Pandemie auf Freiwilligendienstleistende ausgewirkt hat und vielleicht auch immernoch auswirkt, ein Stück weit beantworten. 

Also, was hat die Pandemie mit uns gemacht? Etwa 30% von uns arbeiteten teilweise oder dauerhaft im Homeoffice. 22 Freiwillige konnten zum Zeitpunkt der Befragung nicht in ihrer Einsatzstelle arbeiten, da diese vollständig geschlossen war, das entspricht circa 3% der Befragten.  Wer noch arbeiten gegangen ist, hatte mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen: Etwa 58% der Befragten aus dem Bereich Gesundheit und Pflege berichteten von einer höheren Arbeitsbelastung, während etwa 35% der Befragten, die im Kindergarten arbeiten, angaben, nicht genug zu tun zu haben.

Durch die ganz unterschiedlichen Belastungen entstanden aber auch zum Teil gleiche Probleme. So gaben knapp 50% der Befragten an, dass die Erreichung ihrer Lernziele (teilweise) durch die Pandemie erschwert wurde. Die Gründe dabei reichten von mangelndem Kontakt mit Schüler*innen und Kindergartenkindern über ausfallende Veranstaltungen in der Veranstaltungsbranche bis hin zu einer hohen Auslastung der Pflegenden, denen dadurch wenig Zeit für Erklärungen bleibt.

Was uns auch verbindet, ist die relativ hohe Gefahr einer Corona-Infektion. Etwa 70% aller befragten Freiwilligen arbeiteten auch in dieser besonders heißen Phase der Pandemie komplett in Präsenz. Mehr als 50% gaben an, in einem Bereich mit erhöhter Infektionsgefahr zu arbeiten, also entweder mit vielen Menschen oder direkt mit Infizierten. Angesichts der häufigsten Einsatzgebiete von Freiwilligen, Gesundheit & Pflege, Schule & Hort und Kindergarten, mag dies erstmal nicht weiter verwundern, unterstreicht jedoch zusätzlich die Wichtigkeit einer Corona-Schutzimpfung und regelmäßiger Testungen gemeinsam mit den anderen Kolleg*innen. Dies schien jedoch auch ganz gut zu funktionieren, so gaben zum damaligen Zeitpunkt bereits 30% der Befragten aus dem Bereich Gesundheit und Pflege an, dass  sie einen Berechtigungsschein für die Corona-Schutzimpfung erhalten hätten. Zugleich gaben aber auch 11% der Freiwilligendienstleistenden aus diesem Bereich an, sich gesichert auf der Arbeit mit Sars-Cov-2 infiziert zu haben.

Einige Freiwillige konnten der Pandemie allerdings trotz allem noch etwas Positives abgewinnen:

“Viele Videokonferenzen, wahnsinniger Wissenszuwachs im Bereich digitaler Unterricht, die Unterrichtsstunden sind zwar zeitlich gekürzt, aber dafür online anstrengender. Aber es ist gleichzeitig mühsam und toll, die neuen Möglichkeiten kennenzulernen und mit den Kindern auszutesten.”

Einige Problematiken werden sich bereits entschärft haben, andere werden uns wohl noch eine Weile begleiten. In diesem Beitrag wurden bei weitem nicht alle Ergebnisse der Umfrage dargestellt, dies würde schlicht den Rahmen sprengen. Sie dienen uns auch weiterhin als Anhaltspunkt, wo im Freiwilligendienst Probleme auftreten können, denn leider wird uns die Pandemie wohl noch eine Weile begleiten, wenn auch hoffentlich nicht in derselben Intensität wie im Januar.

In diesem Sinne: Bleib gesund und pass auf dich auf, für dich und für andere.

Text: Luise Bartels (Gemeinsam Ziele Erreichen – Freiwilligendienste gGmbH)

Wie verändert die Pandemie Freiwilligendienste? Umfrageauswertung

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