Viele fragen mich: Warum machst du ein FSJ in der Schule? Du warst doch jetzt zwölf Jahre in der Schule? Was macht man da?

Und viele Vorurteile bekomme ich an den Kopf geworfen, wenn ich sage, dass ich in einer Montessori-Schule arbeite. Es ist immer wieder Wahnsinn, dass ich mich für dieses wunderbare Arbeitsfeld und diese Schulart so verteidigen muss. Ja, ich war lang genug in der Schule und bin auch froh, mein Abitur noch zu Beginn von Corona geschafft zu haben. Denn die Abiturient*innen von diesem Jahr haben es schon echt nicht leicht. Hut ab – wie ihr das meistert!

Auch im FSJ hat sich für mich einiges geändert. Das erste Vierteljahr meines FSJ war geprägt von einem abwechslungsreichen und strukturierten Tagesablauf. Der Stundenplan war immer aktuell und regelmäßig kamen neue Stunden hinzu, in denen ich pünktlich bei den Schüler*innen sein musste.

Acht Stunden pro Woche verbrachte ich in den Lernbüros der fünften Klassen. Zu Beginn des Schuljahres fuchste ich mich in das System der Lernbüros ein und lernte mit den Schüler*innen gemeinsam. Nach und nach, als auch die Kinder zurechtkamen, ging meine Arbeit so richtig los. In den Lernbüros Mathe, Deutsch und Nawi (Biologie und Geographie) haben die Kinder je nach Schulart ein bestimmtes Pflichtprogramm mit Aufgaben, das bis zum Schuljahresende geschafft werden muss. Wann sie welche Aufgaben, in welchen Geschwindigkeiten und an welchem Ort bearbeiten, liegt ganz bei ihnen. Ihnen ist freigestellt, ob sie am Platz in Partnerarbeit, auf dem Teppich oder Flur bzw. alleine arbeiten. Natürlich stehen sie dabei nicht ganz alleine und ratlos da. Wenn die Lehrer*innen merken, dass es Kinder gibt, die regelmäßig nur in einem Lernbüro sind und nicht wechseln, werden Gespräche durchgeführt, in denen den Schüler*innen noch einmal der Zweck des stetigen Wechselns bewusst gemacht wird.
Ich finde es unglaublich spannend, zu sehen, wie selbstständig die Kinder werden und wie zielorientiert sie ihre Aufgaben erledigen. Ich erkannte die Begeisterung und die Freude beim Lernen, endlich nicht mehr nur dem Lehrer zuhören zu müssen, sondern selbst zu entscheiden zu können, was als nächstes bearbeitet werden muss. Selten habe ich mich in der Schule auf einen Test gefreut, aber die Kids sind stolz auf das, was sie geschafft haben und häufig gut bis sehr gut abschließen. Denn eigens erlernter Stoff mit Hilfe von Experimenten, Spielen, zur Verfügung stehenden Präparaten und Medien oder Lexika bleibt aus meiner Sicht ganz anders in den Köpfen hängen. Sie lernen aus Fehlern, suchen Lösungen, fragen nach und kontrollieren sich selbst. Mich begeistert das ungemein und ich sehe was möglich sein kann, neben dem strengen Fachunterricht, der aus Zuhören, Aufpassen, nicht Reden, Lernen und Pauken für Zensuren besteht. Den Fachunterricht gibt es in der Montessori-Schule natürlich auch, aber die Lernbüros lockern den Schulalltag auf und die Schüler*innen haben die Chance, Eigenständigkeit, Zielstrebigkeit, Strukturiertheit und demzufolge ein höheres Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Ich stand jederzeit für Fragen, Hilfe und Unterstützung zur Verfügung. Gemeinsam führten wir Experimente durch und erwaren teilweise spielerisch neues Wissen. Dabei befasste ich mich in der Regel mit Schüler*innen, denen das Lernen nicht so leichtfällt und die besondere Zuwendung, Unterstützung und Förderung benötigen. Ich fand für mich mit der Zeit heraus, wie es mir gut gelingt, die Kinder für bestimmte Aufgaben zu motivieren. Es waren auch für mich Erfolgserlebnisse, wenn sich die Kids für die Hilfe bedankten und sie wieder Aufgaben abgeschlossen hatten.

Während der dreitägigen Klassenfahrt im September bekamen ich und auch die Kinder die Chance, uns gegenseitig auf einer anderen Ebene kennenzulernen. Wir bauten Vertrauen zueinander auf und die Zusammenarbeit danach verlief aus meiner Sicht noch einmal viel leichter. Ich erkannte einerseits den Förderbedarf der Kinder und andererseits kamen die Schüler auf mich von alleine zu, wenn es Probleme gab. Leider ist es bei diesem einen Klassenausflug geblieben (wegen Corona).

Dennoch, auch in Zeiten des nun schon langanhaltenden Lockdowns, macht die Arbeit Spaß. Wir, das Team der Monte und ich, entwickelten Ideen, wie wir den Kontakt zu den Schüler*innen bestmöglich erhalten können. Für die fünften bis siebten Klassen wird Online-Unterstützung angeboten. Es freut mich total, wie viele Schüler*innen dieses Angebot annehmen und wir uns jede Woche via Zoom treffen, um gemeinsam Schulaufgaben zu bearbeiten. Hier wachse ich einfach über mich hinaus. Wahrscheinlich hätte ich ohne Corona keine Möglichkeit gehabt, Schüler*innen quasi in einer 1 zu 1 Betreuung Nachhilfe zu erteilen. Dafür bereite ich im Vorfeld Sachverhalte auf, mache mir Gedanken und gestalte Vorlagen, um den Unterrichtsstoff so gut wie möglich den Schülern online darzustellen. Es fühlt sich an wie eine minimalistische Unterrichtsstunde. Perfekte Grundlage für später.

Den Schulclub haben wir ebenfalls in die Online-Variante umgestaltet. Normalerweise betreuen die FSJler*innen hier Schüler*innen, die z.B. auf Bus/Bahn, ein Elternteil warten oder einfach nur da sein wollen. Gemeinsam spielen wir Spiele – draußen oder drinnen – ganz egal, rätseln und knobeln, lesen oder erledigen Hausaufgaben. Als FSJler*innen haben wir stets ein offenes Ohr für die Schüler*innen, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und lernen die Kids nochmal aus einer anderen Perspektive kennen. Großartig!

Mein Freiwilliges Soziales Jahr am Bischöflichen Maria-Montessori Schulzentrum werde ich nie vergessen. Sowohl die Arbeit als auch das Kollegium sind einfach unglaublich. Ich kann es jedem wärmstens empfehlen, die Schule aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenzulernen und zu erkennen, welche Kreativität, Ideenreichtum und Begeisterung dahinterstecken kann. Erfahrungen aus dem Lehrerzimmer zeigen, dass sich viele Lehrer*innen Sorgen und Gedanken um euch Schüler*innen machen. Auch wenn wir als Schüler*innen denken oder gedacht haben, dass „die“ nur Böses von uns wollen.

Text und Foto: Carina Löwe, FSJlerin am Bischöflichen Maria-Montessori Schulzentrum  (Cariatsverband für das Bistum Dresden-Meißen e.V.)

Ein FSJ in der Montessori-Schule – auch während Corona

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